Der sächsische Orgelbauer und Gottfried Silbermann-Schüler Zacharias Hildebrandt (1688 –1757) traf persönlich auf Johann Sebastian Bach, als dieser 1723 als Orgelsachverständiger eine der ersten von Hildebrandt erbauten Orgeln prüfte. Das Instrument wurde im südöstlich von Leipzig gelegenen Städtchen Störmthal eingeweiht, und Bach äußerte sich in seinem Gutachten ausdrücklich lobend. Für den Einweihungsgottesdienst komponierte er die Kantate Höchsterwünschtes Freudenfest, BWV 194, und leitete selbst die Aufführung. Auch 1746, als Hildebrandt die Orgel in Naumburg baute, stellte ihm Bach erneut ein hervorragendes Zeugnis aus. Auf diesem Instrument präsentiert Jörg Halubek die F-Dur-Toccata, ein Werk, das ihn seit über 20 Jahren begleitet: „Bei diesem Stück geht es darum, dass sich alle Klänge verbinden. Ich stelle mir dabei einen barocken Brunnen vor, aus dem es über dem langen F heraussprudelt. Es geht auf- und abwärts, alles ist mit allem in Berührung.“
DAS INSTRUMENT
Die Hildebrandt-Orgel in Naumburg
Die große Orgel im Naumburger Dom St. Peter und Paul wurde zwischen 1743 und 1746 von Zacharias Hildebrandt erbaut, einem der bedeutendsten mitteldeutschen Orgelbauer des 18. Jahrhunderts und Schüler Gottfried Silbermanns. Das Instrument entstand unter maßgeblicher Mitwirkung Johann Sebastian Bachs, der das Projekt begleitete, begutachtete und 1746 gemeinsam mit Gottfried Silbermann abnahm.
Hildebrandt (1688–1757) steht in direkter Verbindung zur sächsischen Orgelbautradition Silbermanns, entwickelt jedoch eine eigenständigere, klanglich flexiblere Handschrift. Die Naumburger Orgel gehört zu seinen Hauptwerken und ist eines der wenigen Instrumente, bei denen Bachs Einfluss auf Disposition und klangliche Konzeption konkret nachweisbar ist.
Die Orgel verfügt über drei Manuale und Pedal und zeichnet sich durch eine ausgewogene Verbindung von Prinzipalklang, farbenreichen Flöten und charakteristischen Zungenregistern aus. Im Vergleich zu Silbermann zeigt sie eine größere Differenzierung der Klangfarben und eine gewisse Weichheit im Gesamtklang, die ein breites Spektrum musikalischer Ausdrucksformen ermöglicht.
Nach zahlreichen Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert wurde das Instrument zwischen 1993 und 2000 durch die Firma Hermann Eule (Bautzen) umfassend restauriert und weitgehend in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Heute gilt die Hildebrandt-Orgel in Naumburg als eines der wichtigsten authentischen Zeugnisse der Bach-Zeit und als Schlüsselinstrument für das Verständnis mitteldeutscher Orgelklangideale im 18. Jahrhundert.
DISPOSITION
Disposition der Orgel von Zacharias Hildebrandt in St. Wenzel, Naumburg (1746)
Tonhöhe a’= 464 Hz/15°C
Temperatur: Neidhardt l (1724)
Winddruck: Man. 74 mm, Ped. 78 mm
Rückpositiv (I) C, D-c3
Principal 8′
Rohr-Floete 8′
Quintadehn 8′
Viol di Gambe 8′
Prestanta 4′
Vagara 4′
Rohr-Floete 4′
Nassat 3′
Octava 2′
Rausch-Pfeife 2f
Mixtur 5f
Fagott 16′
Hauptwerk (II) C, D-c3
Principal 16′
Quintadehn 16′
Octava 8′
Spitz-Floete 8′
Gedakt 8′
Praestanta 4′
Spitz-Floete 4′
Quinta 3′
Octava 2′
Weit-Pfeife 2′
Sesquialter 2f
Cornet 4f
Mixtur 8f
Bombart 16′
Trompete 8′
Oberwerk (III) C, D-c3
Bordun 16′
Principal 8′
Hohl-Floete 8′
Unda maris 8′
Praestanta 4′
Gemshorn 4′
Quinta 3′
Octava 2′
Wald-Floete 2′
Tertia 1 3/5′
Quinta 1 1/2′
Sif-Floete 1′
Scharff 5f
Vox humana 8′
Pedal C, D-d1
Principal 16′
Sub-Baß 16′
Violon-Baß 16′
Octaven-Baß 8′
Violon-Baß 8′
Octaven-Baß 4′
Octava 2′
Mixtur-Baß 7f
Posaune 32′
Posaune 16′
Trompet-Baß 8′
Clarin-Baß 4′
Nebenregister / Koppeln:
Windkoppel: HW/Ped
Schiebekoppeln: RP/HW, OW/HW
Tremulant (HW/RP), Schwebung (OW), Cymbelstern