5 0 ° 5 3 ′ 5 3 . 9 ″ N 1 0 ° 3 3 ′ 2 2 . 2 ″ E
W A L T E R S H A U S E N | D R I T T E R T H E I L
D E R C L A V I E R Ü B U N G

Für das vorliegende Album habe ich Bachs „Dritten Theil der Clavierübung“ gewählt – eine der seltenen Sammlungen mit Orgelmusik, die Bach zu Lebzeiten im Druck veröffentlicht hat (1739). Die Sammlung fasziniert mich mit ihrem visionären kompositorischen Anspruch und einer noch heute nachzuvollziehenden aufregend pragmatischen Drucklegung (vgl. Gregory Butler, 1990). Das kompositorisch Visionäre der Clavierübung verbindet sich für mich auch mit dem Visionären von Trosts Orgelästhetik. Bach schätzte ihn – und damit sicher seine Experimente mit Klangfarben. Noch immer bildet natürlich ein gravitätisches Plenum die Säule des Orgelklanges. Beide Mixturen enthalten Terzen, zusammen mit der abgemilderten Mitteltönigkeit als Stimmsystem entsteht eine gewisse Schärfe im Klangbild, aber auch die klare, sprechende Durchhörbarkeit von polyphonen Werken. Die Akustik des Raumes ist auch bei leerer Kirche kaum hallig und sehr klar. Neben dem Plenum ist die Disposition der Orgel jedoch vor allem durch eine Vielzahl an 8’- und 4’-Registern charakterisiert: sechs labiale 8’- und drei labiale 4’-Register finden wir schon im Hauptwerk, darunter eine Schwebung. Die feinen Nuancen in den sensiblen Klangfarben laden uns Interpreten ein, zu experimentieren und neu zu hören.

Jörg Halubek (Juli 2020)

D A S I N S T R U M E N T

Die Orgel der Stadtkirche in Waltershausen gilt als größte und bedeutendste Orgel aus der Bach-Zeit in Thüringen. Im Prospekt sieht der Betrachter die mächtigen Prinzipale, die mit kunstvollen Ornamenten verziert sind und die Stattlichkeit dieses Instruments erahnen lassen. Mit drei Manualen, 53 klingenden Registern und 2806 (2071 Metall-, 458 Holz- und 277 Zungenpfeifen) Pfeifen ist sie ein Instrument der Superlative. Obwohl Trost mit dem Bau einer zweimanualigen Orgel betraut wurde, ließ er sich von seinem Zeitgenossen Gottfried Silbermann zu einem Instrument dieser Dimension inspirieren. Trotz heftigen Widerstands der Waltershäuser Verantwortlichen setzte sich Trost durch und ließ sogar die Empore um nahezu zwei Meter absenken, um das 8,30 Meter hohe und 8,80 Meter breite Werk aufnehmen zu können. Johannes Schaugg und Verena Ecker haben die erste Einspielung begleitet und umfangreiches Foto- und Videomaterial erstellt.

V I R T U A L R E A L I T Y

Zum Betrachten der VR-Aufnahmen gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Am Computerbildschirm ist eine Drehung im Raum möglich. Dazu bewegt man den Cursorpfeil auf das Bild und verschiebt die Maus bei gedrückter Maustaste.
  • Mit einer VR-Brille wie beispielsweise einer Ocuslus Rift oder HTC-Vive. Diese Brillen werden ähnlich wie ein Monitor an den Computer angeschlossen. Es genügt dann das Video bei aufgesetzter Brille zu starten.
  • Mit einer Cardboard-Brille:
    • Cardboard-Brille falls notwendig zusammenbauen.
    • Das Video mit dem Smartphone mit der YouTube App aufrufen.
    • Auf das Cardboard-Symbol tippen.
    • Dann teilt sich der Bildschirm in zwei Hälften mit fast identischen Bildern. Eines ist für das rechte Auge, das andere für das linke Auge.
    • Nun das Smartphone in die Brille einlegen und Kopfhörer anschließen. Dies funktioniert auf jedem aktuelleren iOS und Android Smartphone.
    • Dann Brille und Kopfhörer aufsetzen. Jetzt kann das Orgelspiel gehört und die Kirche in 360 Grad betrachtet werden, indem man den Kopf in verschiedene Richtungen dreht.

Bis die Orgelmusik beginnt, vergehen einige Sekunden, damit genug Zeit nach dem Start des Videos zum Aufsetzen der Brille und Kopfhörer sowie zur Eingewöhnung bleibt. In dieser Zeit sind atmosphärische Geräusche aus der Kirche zu hören.

D I S P O S I T I O N

Disposition der Trost-Orgel in der Stadtkirche Waltershausen
Tobias Heinrich Gottfried Trost (1730/1755), Orgelbau Waltershausen GmbH (1995-1998)

Stimmtonhöhe/Stimmungsart: a’ = 466,8 Hz bei 15°C
wohltemperierte Ausnahmestimmung 1/5 pyth. Komma,
pyth. Terzen über Fs, und As Dur; Cs-F = 410 Cent

Brustwerk (I) C-c3

Gedackt 8′
Nachthorn 8′
Principal 4′
Flöte douce 4′
Nachthorn 4′ r
Gemshorn 4′
Spitz-Qvinta 3′
Nassad-Qvinta 3′
Octava 2′
Sesqvialtera zwey fach
Mixtura (3-4fach) t Hautbous 8′

Hauptwerk (II) C-c3

Bortun-Untersatz 16′
Groß Qvintadena 16′
Principal 8′
Gemshorn 8′
Viol d’Gambe 8′
Portun 8′
Qvintadena 8′
Unda maris 8′
Octava 4′
Salcional 4′
Röhr-Flöta 4′
Celinder-Qvinta 3′
Super-Octava 2′
Sesqvialtera 2 fach
Mixtura (6-8fach) t
Fagott 16′ r
Trompetta 8′

Oberwerk (III) C-c3

Flöte Dupla 8′ r
Vagarr 8′
Flöte travers 8′ r
Liebl. Principal 4′
Spitzflöte 4′
Gedackt Qvinta 3′ r
Wald-Flöte 2′
Hohl-Flöte 8′
Vox humana 8′ r
Geigen-Principal 4′

Pedal C-d1

Groß Principal 16′
Sub-Bass 16′
Violon-Bass 16′
Octaven-Bass 8′
Celinder-Qvinta 6′
Posaunen-Bass 32′ r
Posaunen-Bass 16′
Trompetten-Bass 8′
Qvintadenen-Bass 16′ *
Viol d’Gamben-Bass 8′ *
Portun-Bass 8′ *
Super-Octava 4′ *
Röhr-Flöten-Bass 4′
Mixtur-Bass 6fach *
Koppel HW-P
Koppel BW-P

* Transmissionsregister aus dem Hauptwerk (d‘ fehlt)
r – rekonstruiertes Register
t – teilweise rekonstruiertes Register (original weniger als 50 %)
alle anderen Register sind original oder überwiegend original (über 80 %)

Nebenzüge: Koppel OW-HW (Hakenkoppel), Koppel BW-HW (Schiebekoppel), Tremulant zu allen Manualen (Kanaltremulant), Tremulant zum OW (Bocktremulant), 2 Cymbelsterne, Calcant (=Motor), Zug für die Sperrventile (ohne Funktion)

O R G E L F Ü H R U N G

Orgelführung mit Kirchenmusikdirektor Theophil Heinke.

K L A N G F A R B E N

Vox humana (OW)

Sesquialtera (BW)

Organo Pleno

Trompete 8′ (Ped)

Geigen-Prinzipal 4′ (OW)

Flöte Dupla 8′ (OW)

A U F N A H M E

Im Gespräch mit dem Tonmeister Markus Heiland über die Aufnahmetechnik bei der Orgel.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Künstler ab?

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