50°45'33.4"n 13°47'30.3"E
Rothenkirchen | Trios & Concerti

Bachs Notenbibliothek war gigantisch. Insbesondere galt sein Interesse den italienischen Komponisten seiner Zeit, die er intensiv studierte. Ihren Niederschlag fand seine Bewunderung der italienischen Meister u.a. in den Orgeltranskriptionen der Concerti von Antonio Vivaldi. Diesen Bearbeitungen aus der Feder Bachs sowie seinen Triosonaten widmet sich nun Jörg Halubek auf „Bach Organ Landscapes“ Vol. 8: „Die Orgeln brauchen Kantabilität und viele Farben, um die Triosonaten abwechslungsreich registrieren zu können. Das Virtuose, Filigrane der Triosonaten scheint mir nicht für eine große, gravitätische Orgel gedacht, es geht um Kammermusik“, sagt Jörg Halubek. Daher fiel seine Wahl auf die Orgel in der Dorfkirche zu Rothenkirchen (Steinberg) der Gebrüder Trampeli von 1796 sowie die Orgel in der Stadtkirche Geising von Johann Daniel Ranft, die zwischen 1755 und 1757 entstand. „Ich habe entlegenere Orgelbauer ausgewählt, die aber mit der Silbermann-Schule direkt in Verbindung stehen, sie weiterentwickeln oder kontrastieren: Die Orgel des Silbermann-Schülers Trampeli in Rothenkirchen und auch die Orgel von Ranft in Geising haben zahlreiche 8’ Farben, gehen bereits in eine kantable, rundere Intonation. Diese beiden Instrumente haben mich sehr berührt. In Rothenkirchen singt jedes Register. Die Orgel hat Klang, Persönlichkeit.“

DAS INSTRUMENT

Die Trampeli-Orgel in Rothenkirchen
Die Orgel in Rothenkirchen wurde von Johann Gottlob Trampeli (1742–1812) erbaut, einem der bedeutendsten Orgelbauer des Vogtlands. Trampeli schuf in seiner Werkstatt in Adorf rund 40 Instrumente und steht in der Tradition Gottfried Silbermanns, deren Prinzipien er auf eigenständige Weise weiterentwickelte.
Das Instrument in Rothenkirchen gehört zu seinen größeren und repräsentativen Werken. Es zeigt eine klar gegliederte Anlage mit mechanischer Spiel- und Registertraktur sowie eine Disposition, die sowohl auf klangliche Geschlossenheit als auch auf Differenzierung angelegt ist.
Klanglich verbindet die Orgel die für die Silbermann-Tradition typische Klarheit und Tragfähigkeit mit einer gewissen Weichheit und Flexibilität, die bereits auf die musikalischen Entwicklungen der späteren Zeit verweist. Die ausgewogene Anlage der Grundstimmen und die Transparenz im Gesamtklang ermöglichen sowohl kontrapunktische Präzision als auch eine nuancierte, kantable Spielweise.
Damit steht die Trampeli-Orgel exemplarisch für eine Weiterführung der sächsischen Orgelbautradition im späten 18. Jahrhundert – zwischen bewahrter handwerklicher Strenge und einer zunehmend differenzierten Klangästhetik.

DISPOSITION

Disposition der Orgel in der Dorfkirche zu Rothenkirchen (Steinberg)
Gebrüder Trampeli, Adorf (1796)

Hauptwerk (I), C-d3

Bordun 16′
Principal 8′
Stark Gedackt 8′
Viola di Gamba 8′
Octave 4′
Flaut douce 4′
Quinte 3′
Octave 2′
Flageolet 1′
Cornetti 3fach (a0-d3)
Mixtur 4fach
Tremulant

Oberwerk (II), C-d3

Principal Discant 8′ (a0-d3)
Lieblich Gedackt 8′
Quintadena 8′
Principal 4′
Flauto amabile 4′
Octave 2′
Quinte 1 1/2′
Sifflöte 1′
Mixtur 3fach
Vox humana 8′ (a0-d3)

Pedal (C-c1)

Subbaß 16′
Violonbaß 16′
Octavenbaß 8′
Posaunenbaß 16′

Koppeln und Nebenregister:
Manual-Coppel, Pedal-Coppel
Schwebung zum II. Manual
Calcantenklingel