Silbermann fusionierte in seinen Orgeln neueste und durchaus naturwissenschaftlich begründbare Ideen mit musikalischer Tradition, fügte französische Zungen und kraftvolle Labialregister eigener Erfindung zusammen und warf die überkommene Art der Aufstellung von Laden und Werken und der Prospektgestaltung über den Haufen. Die überraschende Andersartigkeit der Klangfülle und Farbigkeit seiner Orgeln ist bis heute und selbst im Umfeld späterer Musikstile noch immer schlagend und bestens nachvollziehbar. Für die Zeitgenossen muss sie überwältigend gewesen sein. Der Kontakt von Bach und Silbermann war bekanntermaßen intensiv und nicht nur von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Sowohl Bachs Schaffen wie auch Silbermanns Instrumente vertreten in Jörg Halubeks Sicht „den“ klassischen mitteldeutschen Orgelstil.
DAS INSTRUMENT
Ähnlich muss es dem Freiberger Bürgermeister Martin Albert gegangen sein, dem Gottfried Silbermanns Selbstbewusstsein angesichts der 1713 noch nicht vollendeten Freiberger Domorgel mit Sicherheit suspekt vorkam. Der 1710 mit dem Freiberger Rat geschlossene Vertrag, dessen Zustandekommen ein eindringliches Empfehlungsschreiben des Leipziger Thomaskantors Johann Kuhnau nicht unwesentlich befördert hatte, sah die Fertigstellung des dreimanualigen Instruments für 1712 vor. Dass er den Zeitaufwand zu knapp kalkuliert hatte, muss selbst Silbermann beizeiten klar geworden sein und dennoch schwärmte er in einem Brief an die Ratsherren kurz vor dem Jahresende 1713, der Dom erhalte eine Orgel, wie sie „in Sachßen und weit und breit nicht seyn wird“. Angesichts der Baustelle auf der Empore wird dies den Verantwortlichen einige Seufzer abgerungen haben, doch eineinhalb Jahre später schlug die getrübte Stimmung in größte Begeisterung um, denn neben den Fachleuten und Orgelprüfern Kuhnau und Bestel wurde auch allen orgelfachlichen und musikalischen Laien schlagartig klar, dass etwas ganz Außerordentliches entstanden und der selbstbewusste Orgelbaumeister kein Blender war. Bürgermeister Albert zog daraufhin los und überredete die kleine Nachbargemeinde Niederschöna förmlich zu einem Orgelneubau, was er nicht getan hätte, wäre er nicht vom Erfolg seiner Idee überzeugt gewesen. Seine amtliche Protektion verweist dabei auf einen Umstand, der kaum in den Blick der Silbermann-Forschung geraten ist: Die lukrativen Aufträge flogen Gottfried Silbermann nach Vollendung der Domorgel nicht unmittelbar zu. Es folgten im Gegenteil zunächst mit einigen einmanualigen Instrumenten eher bescheidene Arbeiten: Ringethal und Pfaffroda 1715, Oberbobritzsch und Niederschöna 1716 und die Schlosskapelle Tiefenau 1718, bevor nach Vollendung der Orgel in der Dresdner Sophienkirche im Jahr 1720 ein deutlicher Umschwung einsetzte. Von diesem Zeitpunkt an konnte sich Silbermann vor Aufträgen nicht mehr retten und es gelang ihm, was keinem seiner Kollegen in dieser Generation sonst gelungen ist: Er baute bis zu seinem Lebensende nur neue Instrumente und musste sich nie mit kleinlichen Reparaturen oder Umarbeitungen aufhalten. Das alles hatte seine Ursache vordergründig in der handwerklichen Qualität seiner Arbeit, in der Summe jedoch vor allem im Klang der Orgeln (und auch seiner zahlreich gefertigten Cembali), was schließlich die Musiker der Dresdner Hofkapelle auf den Plan rief.
(Hartmut Schütz)
VIRTUAL REALITY
Zum Betrachten der VR-Aufnahmen gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Am Computerbildschirm ist eine Drehung im Raum möglich. Dazu bewegt man den Cursorpfeil auf das Bild und verschiebt die Maus bei gedrückter Maustaste.
- Mit einer VR-Brille wie beispielsweise einer Ocuslus Rift oder HTC-Vive. Diese Brillen werden ähnlich wie ein Monitor an den Computer angeschlossen. Es genügt dann das Video bei aufgesetzter Brille zu starten.
- Mit einer Cardboard-Brille:
- Cardboard-Brille falls notwendig zusammenbauen.
- Das Video mit dem Smartphone mit der YouTube App aufrufen.
- Auf das Cardboard-Symbol tippen.
- Dann teilt sich der Bildschirm in zwei Hälften mit fast identischen Bildern. Eines ist für das rechte Auge, das andere für das linke Auge.
- Nun das Smartphone in die Brille einlegen und Kopfhörer anschließen. Dies funktioniert auf jedem aktuelleren iOS und Android Smartphone.
- Dann Brille und Kopfhörer aufsetzen. Jetzt kann das Orgelspiel gehört und die Kirche in 360 Grad betrachtet werden, indem man den Kopf in verschiedene Richtungen dreht.
Bis die Orgelmusik beginnt, vergehen einige Sekunden, damit genug Zeit nach dem Start des Videos zum Aufsetzen der Brille und Kopfhörer sowie zur Eingewöhnung bleibt. In dieser Zeit sind atmosphärische Geräusche aus der Kirche zu hören.
DISPOSITION
Disposition der Orgel im Dom St. Marien zu Freiberg
Gottfried Silbermann (1714)
Stimmtonhöhe /Stimmungsart: 476,3 Hz
Temperierung: modifiziert mitteltönig
Hauptwerk (II) CD-c3
BORDUN. 16 F.
PRINCIPAL. 8 F.
VIOLA DI GAMBA. 8 F.
ROHRFLÖT. 8 F.
OCTAVA 4 F.
QVINTA 3 F.
SUP.OCTAV. 2 F.
TERTIA.
CORNET. (5fach, ab c1)
MIXTUR (4fach)
ZIMBELN. (3fach)
TROMPET. 8 F.
CLARIN 4 F.
Oberwerk (III) CD-c3
QVINTADEHN. 16 F.
PRINCIPAL. 8 F.
GEDACKT 8 F.
QVINTADEHN. 8 F.
OCTAVA. 4 F.
SPITZFLÖT. 4 F.
SUP.OCTAV. 2 F.
FLASCHFLÖT. 1 F.
ECHO. 5.FA. (ab c1)
MIXTUR. (3fach)
ZIMBELN. (2fach)
KRUMBHORN. 8 F.
VOX HUMANA (8 F.)
Brustwerk (I.) CD-c3
GEDACKT. 8 F.
PRINCIPAL. 4 F.
ROHRFLÖT. 4 F.
NASSAT. 3 F.
OCTAVA. 2 F.
TERTIA.
QVINTA. 1 1/2 F.
SUFFLÖT. 1 F.
MIXTUR. (3fach)
Pedal CD-c1
UNTERSATZ 32 F. (32+16 F.)
PRINC.BASS. 16 F.
SUB BASS. 16 F.
OCTAV BASS. 8 F.
OCTAV BASS. 4 F.
PED.MIXTUR. (6fach)
POSAUN BASS. 16 F.
TROMP.BASS. 8 F.
CLAR.BASS. 4 F.
TREMULANT (I, II, III)
SCHWEBUNG (III)
Nebenzüge und Koppeln:
Schiebekoppeln (III/II, I/II)

